17. September 2019

Autonomes Fahren - Eine Gefahr für die LKW-Fahrer?

Die großen Unternehmen der Logistikbranche haben das enorme Potenzial der autonomen LKW erkannt und legen alles daran, die Technologie so früh wie möglich umzusetzen. Was auf den ersten Blick bedrohlich für jeden LKW-Fahrer aussieht, stellt sich jedoch in erster Linie als Möglichkeit heraus, den Job sicherer und attraktiver zu machen.

Autonomes Fahren - Eine Gefahr für die LKW-Fahrer?

Was bedeutet autonomes Fahren?


Autonomes oder auch selbstständiges Fahren bedeutet, dass sich ein Fahrzeug eigenständig und ohne menschliche Einwirkung fortbewegt. Dies wird möglich gemacht durch modernste Systeme, die die Umgebung des Fahrzeugs prüfen und über das mobile Netz Daten in Echtzeit auswerten. Die Forschung auf diesem Gebiet läuft auf Hochtouren, da diese Art der Fortbewegung insbesondere die Logistikbranche revolutionieren könnte. Die Möglichkeiten der technischen Systeme werden in Level aufgeteilt. Level 4 bedeutet, dass ein Mensch an Bord notwendig ist, um die Assistenzsysteme zu überwachen. Bei Level 5 wird davon ausgegangen, dass sich kein Mensch mehr an Bord des LKW befinden muss. Die Frage, die sich jetzt jeder LKW-Fahrer stellen mag ist, ob seine berufliche Zukunft durch diese technischen Möglichkeiten gefährdet sein könnte. Diese Frage soll in diesem Artikel behandelt und aus unserer Sicht beantwortet werden.

Was bringen autonome LKW für Vorteile?


Sollte die Technik soweit sein, dass sie einen Menschen an Bord des LKW ersetzt und Güter so führerlos von A nach B transportiert werden können, würden die Betriebskosten für Speditionen um bis zu 40% sinken, so eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Dank neuester Technik ist es auch möglich, dass mehrere LKW hintereinander in einer Kolonne fahren, indem sie drahtlos miteinander verbunden sind und jede Aktivität des vorderen Fahrzeugs von den hinteren parallel ausgeführt wird. So würden bis zu 10% Sprit gespart und Auffahrunfälle ausgeschlossen werden. In Praxis wäre dies ein Güterzug ohne Schienen und mit virtuellen Verbindungsstücken. Außerdem würde so das Problem des Fahrermangels gelöst werden, da keine Fahrer mehr, jedenfalls nicht im herkömmlichen Tätigkeitsfeld, gebraucht werden würden. Also ist klar, aus betriebswirtschaftlicher Sicht wäre autonomes Fahren in der Logistikbranche mehr als wünschenswert.

Die Nachteile des autonomen LKW


Selbstverständlich gibt es einige Nachteile, die sich hinter dem autonomen LKW verbergen. Zu nennen ist, dass nach heutigem Stand das Vertrauen der Menschen in die Technik noch nicht hinreichend voran geschritten ist, um sich mit gutem Gefühl in ein selbstfahrendes Auto zu setzen oder sich die Fahrbahn mit einem solchen zu teilen. Laut einer Umfrage von 500 erwachsenen Menschen in Deutschland aus 2019 haben 65% der Befragten kein Vertrauen in die Technik. Bei einem derart hohen Anteil an Misstrauen wird es schwierig sein die Technologie in den Alltag einzubinden. Aus derselben Umfrage ging hervor, dass 69% der Menschen Angst vor Manipulation durch Hacker oder Fernsteuerung haben. Dieses Ergebnis bezieht sich zwar darauf, dass die Menschen selbst in dem autonomen Auto fahren würden, jedoch ist davon auszugehen, dass auch eine Angst vor Unfällen mit autonomen LKW besteht, da auch diese Hacker Angriffen zum Opfer fallen könnten. Ein weiterer Nachteil ist nach heutigem Stand, dass die Rechtslage der autonomen LKW noch nicht vollständig geklärt ist. Bei einem Unfall haftet der Verursacher, also der Fahrer. Die Frage die sich ergibt ist, wer im Falle eines Unfalls mit einem fahrerlosen LKW haftet. Außerdem bedürfen ethische Fragen noch der Klärung, da ein autonomer LKW in bestimmten Fällen über Leben und Tod “entscheiden” müsste. Wenn beispielsweise eine Kollision mit einem Kind nur durch ein Manöver, dass einen erwachsenen Menschen verletzen würde, zu verhindern ist, stellt sich die Frage, ob das Leben eines Kindes in diesem Falle mehr Wert sein kann als das eines Erwachsenen.

Gibt es autonome LKW schon auf deutschen Straßen?


Bislang gibt es im alltäglichen Straßenverkehr keine autonomen Fahrzeuge. Die Ausstattung der LKW ist bis zu Level 3 der Autonomie aufgestiegen, was bedeutet, dass die Assistenzsysteme lenken, bremsen und beschleunigen können, jedoch weiterhin der Fahrer die Verantwortung für die Überwachung des Verkehrsgeschehens trägt. Solche Assistenten sind beispielsweise der Spurhalteassistent. Die Sensoren registrieren die Begrenzungen der Fahrbahn und können den LKW in der Spur halten, jedoch überwachen sie noch nicht intelligent die Umgebung. Daher muss der Fahrer in ständiger Bereitschaft sein einzugreifen. Wirklich interessant für Speditionsunternehmen wird es ab Level 4, da LKW-Fahrer bei entsprechend ausgestatteten LKW für Pausen nicht mehr an den Rastplatz fahren und ihre Fahrt somit unterbrechen müssten, sondern sich zurücklehnen können, während der LKW unverändert weiterfährt. Level 5 LKW, also vollständig ohne Menschen an Bord fahrende Fahrzeuge, fahren bereits drei mal täglich im Rahmen eines Tests von MAN und DB Schenker über deutsche Autobahnen. Auf der A9 zwischen Nürnberg und München fährt eine solche Kolonne mit normaler Fracht beladen zwischen den Logistikzentren hin und her. Davon, dass dies alltäglich wird und den herkömmlichen LKW Verkehr vollständig ablöst, sind wir jedoch noch weit entfernt.

Ist die Zukunft der LKW-Fahrer gefährdet?


Es steht außer Frage, dass die Digitalisierung und die neuen technischen Möglichkeiten den Alltag verändern und davon fast kein Berufsfeld verschont bleibt. Es ist jedoch zu beachten, dass zu dem Beruf des Berufskraftfahrers wesentlich mehr gehört als lediglich das Fahren auf der Autobahn. Wie auch im offiziellen Berufsbild eines Berufskraftfahrers festgehalten, gehören zur Tätigkeit des LKW-Fahrers auch das Auf- und Entladen von Gütern, das Sichern der Ladung, die Festlegung der Fahrtstrecke, das Kontrollieren und Warten des Fahrzeugs und das Erledigen von Zollformalitäten. Dies alles sind Tätigkeiten, die, jedenfalls nach dem derzeitigen Stand der Technik, nicht von einem Computer ersetzt werden können. Nicht ohne Grund schreibt der Gesetzgeber vor, dass ein Berufskraftfahrer alle 5 Jahre an einer Weiterbildung teilnehmen muss. Die Inhalte dieser Weiterbildung werden an die aktuellen Begebenheiten angepasst und somit auch an die neuen technischen Möglichkeiten, weswegen kein LKW-Fahrer Angst davor haben muss, nicht mit der Zeit gehen zu können. Auf die neuen technischen Möglichkeiten muss natürlich reagiert werden, was zur Folge haben kann, dass sich die Berufsbezeichnung und der Tätigkeitsbereich des klassischen LKW-Fahrers irgendwann ändern. Eine Möglichkeit der neuen Berufsbezeichnung wäre der „On-Board Manager“. Da bei gleichbleibender Gesetzeslage weiterhin ein Mensch an Bord des LKW sein muss, um im Notfall eingreifen zu können, könnte der On-Board Manager Aufgaben wie die Überwachung der Ladung oder die Datenpflege durch Protokolle etc. haben. Dies hätte ein geringeres Stresslevel und ein vielseitigeres Tätigkeitsprofil zur Folge. Eine weitere Berufsbezeichnung wäre der „Remote Driver“. Bei stärkerer Liberalisierung wäre es möglich, dass die Level 5 LKW fernüberwacht werden müssen. Dies würde die Vorteile für den LKW-Fahrer bieten, dass keine oder weniger Überstunden anfallen würden, der Arbeitsplatz nah dem Zuhause sein könnte und eine deutlich bessere Work/Life-Balance ermöglicht werden könnte. Eine Studie der internationalen Straßentransportunion, im Rahmen welcher 450 repräsentative Unternehmen befragt wurden, ergab, dass 92% der Unternehmen die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die erhöhte Sicherheit der Fahrer als Hauptnutzen der neuen Technologien sehen. Demnach besteht für keinen LKW-Fahrer Grund zur Sorge. Im Gegenteil werden sie direkt von den Innovationen profitieren.

Die Zukunft der LKW-Fahrer


Die technischen Innovationen in der Logistikbranche werden zumindest in absehbarer Zukunft die Arbeitssituation der LKW-Fahrer verbessern, ohne ihre berufliche Zukunft zu gefährden. Selbst wenn in Zukunft die Gesetze und die technischen Fortschritte Level 5 LKW im alltäglichen Verkehr ermöglichen, werden die Arbeitsplätze für LKW-Fahrer nicht von heute auf morgen wegfallen. Die Entwicklung geschieht langsam und durch die vorgeschriebenen Weiterbildungen jedes LKW-Fahrers werden sie auf dem Stand der Dinge bleiben. Die Tätigkeiten des LKW-Fahrers beschränken sich nicht auf das Fahren auf der Autobahn, sondern sind vielfältig und nicht durch Computer zu ersetzen. Eventuell wird sich das Tätigkeitsprofil etwas verschieben, sodass Tätigkeiten wie Ladungssicherung und Datenpflege mehr in den Vordergrund rücken, die Jobs werden jedoch aller Voraussicht nach erhalten bleiben. Schaut man sich nur mal den Flugverkehr an, der sich ebenfalls einem dauerhaften Wandel durch Innovationen unterzieht. Die Technik ist bereits soweit vorangeschritten, dass die Flieger autonom fliegen und landen können, dennoch sitzen zwei Piloten im Cockpit. Der Beruf der LKW-Fahrer wird in nächster Zeit immer attraktiver werden, nicht zuletzt wegen intelligenter Assistenzsysteme. Wer sich auf die Innovationen einlässt und sie nutzt, wird von dem Fortschritt der Zukunft profitieren. Lesen Sie noch mehr zu dem Thema: https://www.google.com/url?q=https://www.truck-jobs.com/de/wissen/arbeitgeber/Zukunft-des-LKW/&sa=D&ust=1568714597064000&usg=AFQjCNEmgr9JjCzA5ALA2Q2sFqI4L6vOAg


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Quellen:

www.logistik-watchblog.de

www.berufe-lexikon.de

www.tuev-nord.de

www.futuremanagementgroup.com

www.spiegel.de

www.statista.de

www.rundblick-niedersachsen.de


Autor: Jan Wöbken

Susanne Martens-Ulrich
Susanne Martens-Ulrich
Geschäftsführerin

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